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Tenuta dell’Ornellaia-Masseto
Historischer Rahmen und Eigentümerstruktur
Die Tenuta dell’Ornellaia entstand 1981 aus einer klar formulierten Idee: Marchese Lodovico Antinori wollte in Bolgheri einen Weinstil etablieren, der die jahrhundertealte toskanische Weintradition mit der Präzision und internationalen Lesbarkeit eines Bordeaux verbindet. Der erste Ornellaia-Jahrgang von 1985 war nicht einfach ein neuer Wein, sondern ein Statement: Bolgheri kann groß, lagerfähig und zugleich modern sein.
Heute gehört das Gut zur Familie Frescobaldi, die seit Jahren zu den tonangebenden Akteuren im italienischen Qualitätsweinbau zählt. Entscheidend: Der Führungswechsel hat das stilistische Fundament nicht verändert – konsequente Qualitätsselektion, starke Terroir-Orientierung und ein bewusst limitiertes Produktionsvolumen prägen weiterhin das Profil des Hauses.
Lage, Böden und Mikroklima
Die rund 97 Hektar Weinberge ziehen sich von der Küstenebene bis in die leicht ansteigenden Hügel hinter Bolgheri. Genau diese Staffelung macht den Reiz der Tenuta aus: In meernahen Parzellen dominieren sandig-kiesige Böden, weiter landeinwärts treten Lehmschichten, Tonanteile und fossile Meeresablagerungen auf. Letztere erklären die oft beschriebene, aber nie aufdringliche salzige Spur im sensorischen Profil.
Klimatisch profitiert das Gut von zwei Schutzmechanismen:
•Konstante Meeresbrisen sorgen im Sommer für Kühlung, was bei spätreifenden Sorten wie Cabernet Sauvignon essenziell ist.
•Ein Hügelzug im Rücken schirmt die Weinberge vor kalten Nordwinden ab und stabilisiert die Reifephase.
Das Resultat ist eine lange, gleichmäßige Vegetationsperiode – ideale Voraussetzungen für Weine, die auf aromatische Tiefe, Tanninreife und klare Struktur setzen. Dass jede Parzelle separat gelesen und vinifiziert wird, ist hier kein Marketingdetail, sondern notwendig, um diese kleinteilige Geologie abzubilden.
Rebsorten, Lese und Weinbergsarbeit
Ornellaia arbeitet bewusst mit einem bordelaiser Sortenspiegel, interpretiert ihn aber nicht französisch, sondern küsten-toskanisch. Im Kern stehen:
•Cabernet Sauvignon als strukturelles Gerüst,
•Merlot für Textur und frühere Reife,
•Cabernet Franc für aromatische Frische und Würze,
•Petit Verdot für Farbe und finalen Schliff.
Kleine Mengen Sauvignon Blanc, Viognier und Petit Manseng ergänzen das Portfolio auf der Weißweinseite.
Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand und zieht sich – je nach Exposition und Jahrgang – von Anfang September bis in den Oktober. Mehrstufige Selektionen (im Weinberg und im Keller) stellen sicher, dass nur vollreifes, unverletztes Traubenmaterial in die Gärbehälter gelangt. Dieser Aufwand erklärt, weshalb das Gut bewusst limitiert produziert: Qualität geht vor Menge.
Vinifikation und Stilistik
Im Keller wird mit auffallender Disziplin gearbeitet. Jede Parzelle wird separat vinifiziert, anschließend reifen die Weine etwa 18 Monate in französischer Eiche, davon rund 70 % in neuen Barriques. Erst nach dieser Ausbauphase werden die Partien zu den finalen Cuvées zusammengesetzt – der Blend ist also Ergebnis von Beobachtung, nicht von Vorab-Idee.
Stilistisch zielen die Rotweine auf drei Ebenen:
•Balance – keine überreife Frucht, keine vordergründige Süße des Holzes, sondern ein kompaktes, aber kontrolliertes Mundgefühl.
•Tiefe – dunkle Beeren, Graphit-, Tabak- und mediterrane Kräuternoten sind häufige Konstanten.
•Langlebigkeit – die Tannine sind präsent, aber feinkörnig und in der Regel sehr gut eingebunden.
Wichtig: Trotz des hohen Barrique-Anteils wirken die Weine nicht „geschminkt“. Das Holz wird als Textur- und Strukturwerkzeug eingesetzt, nicht als Aromenersatz.
Das Portfolio im Überblick
•Ornellaia Bolgheri DOC Superiore
Das Flaggschiff. Mehrschichtig, strukturiert, mit klarer Jahrgangsprägung. Hier laufen die besten Partien zusammen.
•Le Serre Nuove dell’Ornellaia
Der Zweitwein, der häufig früher zugänglich ist. Er zeigt mehr Frucht und weniger Strenge, bleibt aber stilistisch eindeutig im Kosmos des Gutes.
•Le Volte dell’Ornellaia
Der Einstieg, bewusst breiter gedacht, aber mit der „DNA“ des Hauses: saubere Frucht, klare Tanninführung, keine Beliebigkeit.
•Ornellaia Bianco
Ein seltener Weißwein auf Sauvignon-Blanc-Basis, ergänzt um Viognier. Die Intention: Spannung, Textur, gastronomische Einsetzbarkeit – nicht aromatische Effekthascherei.
•Masseto
Auch wenn Masseto heute als eigenständiges Label firmiert: historisch ist er eng mit Ornellaia verknüpft. Reinsortiger Merlot von einer kühlen, tonreichen Lage – einer der wenigen italienischen Weine, die im internationalen Fine-Wine-Segment dauerhaft bestehen.
Alle diese Weine eint, dass sie aus einer Vielzahl an Basisweinen zusammengesetzt werden. Nur die besten Partien gelangen in die finalen Cuvées – das erklärt die relative Knappheit.
Winzer und Team
Über viele Jahre prägte Axel Heinz, deutscher Önologe mit Bordeaux-Ausbildung, den Stil des Hauses. Unter seiner Leitung (2005–2023) wurden Ornellaia und Masseto zu internationalen Ikonen. Seine Philosophie: „Den Charakter des Jahrgangs respektieren, ohne die Identität des Hauses zu verlieren.“
Nach seinem Weggang übernahm ein neues Team unter der Leitung der Frescobaldi-Familie die Verantwortung – mit dem Ziel, den hohen Anspruch fortzuführen und gleichzeitig das Potenzial der künftigen Jahrgänge weiter auszubauen.