Goldgelbe Trauben hängen dicht unter dem Blätterdach, vereinzelt rosig schimmernd im Sonnenlicht.

Moscato

Kaum eine weiße Rebsorte blickt auf eine so lange Geschichte zurück wie der Moscato Bianco, international bekannt als Muscat Blanc à Petits Grains. Seine Wurzeln reichen bis in die Antike.

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              Terroir & Anbaugebiete

              Der Moscato Bianco hat sein natürliches Umfeld in den Hügeln des südlichen Piemont. Dort trifft man auf kalk- und mergelhaltige Böden mit sandigem Anteil – eine Kombination, die für Spannung im Wein sorgt und die ausgeprägte Aromatik nicht ins Breitschultrige kippen lässt. Das Klima ist moderat, die Tage warm genug für physiologische Reife, die Nächte ausreichend kühl für Frische und Duftentwicklung. Genau dieses Tag-Nacht-Gefälle erklärt, weshalb die Sorte hier feiner wirkt als in vielen anderen Regionen.

              Außerhalb des Piemont wird Moscato zunehmend breiter interpretiert: in Venetien und Trentino-Südtirol (dort oft als Moscato Giallo) etwas würziger, in der Toskana lighter und fruchtbetont, in Frankreich, Spanien oder Griechenland wiederum mit regionalen Prägungen. Dennoch bleibt das Piemont die stilistische Messlatte – hier entsteht der Typus, an dem sich andere orientieren, besonders rund um Asti und Canelli.

              Rebsorte & Charakter

              Die Sorte bringt kleine, goldgelbe Beeren in kompakten Trauben hervor und verlangt sorgsame Laubarbeit, weil sie anfällig auf Pilzkrankheiten reagiert. Das macht sie zu einer Rebsorte, die nicht „nebenher“ funktioniert, sondern Aufmerksamkeit im Weinberg braucht.

              Im Duft zeigt Moscato Bianco das, was Konsumenten an aromatischen Weißweinen sofort erkennen: Rosenblätter, Orangenblüte, weißer Pfirsich, Aprikose, dazu die typisch muskatige Würze. Dass er so „sortentypisch“ daherkommt, liegt an seinem hohen Gehalt an freien Monoterpenen – diese Aromastoffe gehen beim Keltern direkt in den Most über und sind später im Wein klar erkennbar. Anders gesagt: Moscato riecht tatsächlich nach Moscato – ohne große Kellertricks.

              Stilistik & Weinprofil

              Die bekannteste Form ist der Moscato d’Asti DOCG: leicht perlend, moderater Alkohol (meist um 5 % vol.), zarte Süße, enorm duftig. Das ist nicht schwer und nicht likörig, sondern ein bewusst leicht gehaltener Dessert- oder Aperitifwein, der aromatisch viel bietet, aber sensorisch nicht ermüdet.

              Daneben existieren mehrere stilistische Linien:

              Spumante: voll schäumend, meist etwas druckvoller, für Konsumenten, die Aromatik mit „Prosecco-Gefühl“ verbinden wollen.
              Stille Varianten: seltener, oft trockener oder halbtrockener ausgebaut, interessant für Regionen wie Südtirol, wo der Moscato Giallo mehr Körper, Würze und Struktur zeigen darf.
              Süße, regionale Interpretationen wie Muscat d’Alsace oder Muscat de Beaumes-de-Venise setzen stärker auf Fülle – sie gehören aber eher zur großen Muskat-Familie als zum piemontesischen Leitbild.

              Gemeinsam haben diese Weine: präzise Frucht, florale Akzente, spürbare, aber nicht aggressive Säure und eine weiche Textur. Moscato soll duften, nicht dominieren.

              Lese & Ertrag

              Die Lese erfolgt üblicherweise zwischen Ende September und Anfang Oktober – etwas abhängig von Höhe und Jahrgang. Wegen der eher empfindlichen Schale ist selektive Handlese sinnvoll, um beschädigte Beeren auszusortieren und die Sauberkeit der Aromatik zu sichern.

              Qualitätsorientierte Betriebe arbeiten mit Erträgen um 4–6 t/ha, in der Breite – insbesondere in der DOCG-Zone von Asti – wird mehr produziert, wobei in den letzten Jahren der Trend klar in Richtung geringerer Erträge und konzentrierterer Aromatik geht. Das ist auch nötig, weil aromatische Weine mit zu hohen Mostgewichten schnell parfümiert wirken können.

              Besonderheiten & Bedeutung

              Moscato Bianco hat einen Vorteil, den nicht viele Rebsorten besitzen: Er ist sofort wiedererkennbar. In Blindverkostungen ist der Duft oft das schnellste Identifikationsmerkmal. Für Winzer, die eine klare Sortenbotschaft im Glas sehen wollen, ist das Gold wert.

              Zugleich ist die Sorte erstaunlich flexibel: prickelnd, leicht süß, süß, halbtrocken, still – und trotzdem bleibt der aromatische Fingerabdruck erhalten. In Spitzenlagen wie Canelli zeigt sich, dass Moscato d’Asti mehr sein kann als „süßer Schaumwein für zwischendurch“: präzise Frucht, sehr saubere Gärführung, feiner Perlage-Druck, deutliche Herkunft.

              Ähnliche Sorten & Verwandtschaft

              Zur Muskat-Familie zählen u. a. Moscato Giallo, Moscato Rosa, Muscat Ottonel, Muscat of Alexandria. Sie alle teilen die aromatische Grundlinie, unterscheiden sich aber in Säure, Zuckerreife und Phenolik. Der Moscato Bianco gilt als genetisch zentrale Sorte dieser Familie und wird von Önologen oft als das „feinste“ Aromaprofil beschrieben – weniger laut als Alexandria, weniger eigenwillig als Muscat Ottonel, weniger nischig als Moscato Rosa.

              Zwei Menschen stoßen im Weinberg mit Weinflaschen an und lächeln sich herzlich an.

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              Träne der Olive