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Kir-Yianni Dyo Elies
Ktima Kir-Yianni Assyrtiko The North
Kir-Yianni Ramnista Xinomavro
Kir-Yianni Paranga
Kir-Yianni Diaporos
Zwei Standorte – zwei klimatische Werkzeuge
Naoussa / Yianakohori
Der Kern liegt in Naoussa, genauer in Yianakohori, auf 250–350 Metern Seehöhe an den östlichen Ausläufern des Vermio-Gebirges. Die Böden sind kalk- und tonhaltig, durchsetzt mit Sand und Schieferanteilen. Das ergibt gut drainierende Lagen, die dennoch genug Wasserhaltevermögen und mineralische Spannung besitzen, um strukturierte, lagerfähige Rotweine hervorzubringen. Hier steht Xinomavro im Zentrum – in seiner seriösen, tanninbetonten, lagerorientierten Ausprägung.
Amyndeon
Weiter westlich, höher gelegen und deutlich kühler: Amyndeon. Dieses Gebiet profitiert von großen Tag-Nacht-Differenzen und einem kontinentaleinflussreichen Mikroklima. Genau dort entstehen bei Kir-Yianni die frischeren, aromatischeren Weißweine und Rosés. Die Kombination aus Naoussa und Amyndeon ist kein Zufall, sondern ein bewusst gewähltes stilistisches Spektrum:
•Naoussa liefert Tiefe, Gerüst, Herkunftscharakter.
•Amyndeon liefert Präzision, Temperaturfrische, Marktgängigkeit.
So deckt das Weingut zwei unterschiedliche sensorische Erwartungshaltungen ab, ohne seine Identität zu verwässern.
Rebsortenprofil und Weinbergsmanagement
Xinomavro als Leitmotiv
Die Identität des Weinguts ist eng mit Xinomavro verknüpft – einer Sorte, die nicht einfach „mitläuft“, sondern geführt werden muss. Sie ist säurestark, tanninbetont, aromatisch oft in Richtung roter Früchte, getrockneter Tomate, Oliventöne, Kräuter. International wird sie oft mit Nebbiolo verglichen, was auf das strukturelle Verhalten im Holz und in der Flaschenreife zutrifft. Kir-Yianni gehört zu den Betrieben, die diese Sorte nicht weichbügeln, sondern kontrolliert herausarbeiten.
Internationale Ergänzungen
Parallel dazu stehen Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon im Einsatz – nicht als Stilbruch, sondern als präzise eingesetzte Ergänzung, um Cuvées breiter zu machen, Tannin zu runden oder die Zugänglichkeit in den ersten Jahren zu erhöhen. Das ist sinnvoll für Exportmärkte und Gastronomie, die griechische Herkunft zeigen wollen, aber sensorisch nicht nur im „strengen“ Xinomavro-Segment arbeiten möchten.
Weißweinbasis aus Amyndeon
In Amyndeon treten Assyrtiko und Roditis auf den Plan, teils auch internationale Sorten wie Chardonnay. Das kühlere Klima schützt die Säure und ermöglicht Weißweine, die nicht volumenorientiert sind, sondern auf Frische, Textur und sauber definierte Aromatik setzen.
Selektive Lese
Charakteristisch ist die mehrfache, selektive Lese. Das Lesegut wird in einzelnen Durchgängen geholt, um unterschiedliche Reifestadien getrennt zu vinifizieren. Das ist ein Qualitätshebel, der zeigt, dass hier nicht „Block für Block“ standardisiert geerntet wird, sondern mikroparzelliert – also mit dem Ziel, später im Keller präziser komponieren zu können.
Philosophie im Keller:
Kir-Yianni versteht sich als modern arbeitender Betrieb, nicht als nostalgischer Erzeuger. Das bedeutet:
•Vinifikation parzellenweise,
•genaue Kontrolle von Temperatur und Extraktion,
•individuell gesteuerte Fasslagerung je nach Weinlinie,
•überwiegend französische Eiche, teils neu, teils gebraucht.
Wichtig: Das Holz soll strukturieren, nicht überlagern. Das ist bei Xinomavro besonders wichtig, weil die Sorte selbst schon ein deutliches Gerbstoffprofil mitbringt. Eine aggressive Barriquenutzung würde hier schnell zu sperrigen Weinen führen. Dass die Weine von Kir-Yianni meist balanciert wirken, zeigt, dass die Önologie nicht auf Show, sondern auf Lesbarkeit setzt.
Profil der wichtigsten Weine
Ramnista (Naoussa, Xinomavro)
Der stilprägende Wein des Gutes. Klassische Naoussa-Typizität, mit deutlicher Struktur, animierender Säure, rotfruchtigem bis tomatigem Aromenspektrum und spürbarem Reifepotenzial. Kein Wohlfühl-Rotwein, sondern ein Wein für Menschen, die Herkunft im Glas sehen wollen. Sehr gut geeignet für fachliche Verkostungen, Gastronomie und ambitionierte Privatkunden.
Diaporos (Xinomavro & Syrah)
Die internationalere Lesart des Hauses. Syrah bringt Würze, dunklere Frucht und Volumen, Xinomavro sorgt für Länge und Herkunft. Ideal für Märkte, die eine Brücke zwischen griechischer Authentizität und internationaler Stilistik brauchen.
Tesseris Limnes („Vier Seen“)
Ein Weißwein, der zeigt, wie sinnvoll das kühle Amyndeon-Terroir genutzt wird. Meist auf Chardonnay-Gewürztraminer-Basis, aber nicht parfümiert, sondern fein austariert. Eher auf Textur und aromatische Feinheit als auf laute Primärfrucht angelegt.
Akakies Rosé
Rosé aus Xinomavro – trocken, frisch, klar, mit genug Biss für die Gastronomie. Beweis, dass die Sorte nicht nur für langlebige Rote taugt, sondern auch in leichteren Stilen Charakter zeigt.
Mit rund 50.000 Kisten Jahresproduktion bleibt Kir-Yianni in einem Bereich, in dem Qualitätskontrolle realistisch ist. Jede Linie hat ihr definiertes Profil – das ist wichtig für Händler und Sommeliers, die Verlässlichkeit brauchen.
Die Rolle der Familie Boutaris
Der 2024 verstorbene Yiannis Boutaris war eine Schlüsselfigur: Winzer, Modernisierer, später auch Bürgermeister von Thessaloniki. Mit Ktima Kir-Yianni hat er ein Betriebskonzept geschaffen, das nicht an einer Person hängt.
Heute führen Stellios Boutaris (LSE, INSEAD) und Mihalis Boutaris (u. a. Harvard, UC Davis) den Betrieb weiter. Damit verbindet das Gut betriebswirtschaftliche Kompetenz, internationale Ausbildung und weinbauliche Forschung. Dieses Setup ist im griechischen Weinbau noch nicht flächendeckend zu finden – und einer der Gründe, warum Kir-Yianni oft als „professioneller“ wahrgenommen wird als kleinere, rein traditionell geführte Betriebe.