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Kechris Tear of the Pine Retsina
Kechris Winery Kechribari Retsina
Herkunft und Entwicklung des Weinguts
Die Wurzeln des Familienbetriebs reichen bis 1911 zurück, als Evangelos Kechris erstmals Wein abfüllte. 1954 entstand daraus offiziell ein Weingut – in einer Phase, in der Griechenland weinbaulich noch stark regional, wenig exportorientiert und technisch nicht auf heutigem Niveau war. Den eigentlichen Modernisierungsschub brachte Stelios Kechris, ausgebildeter Chemiker und Önologe (Dijon), der die Kellerei schrittweise von traditioneller Handwerkspraxis auf wissenschaftlich gestützte, kontrollierte Vinifikation umstellte. Dass inzwischen auch seine Töchter im Betrieb aktiv sind, zeigt: Die Marke Kechris versteht sich nicht als geschlossenes Kapitel, sondern als weiterentwickelbare Familienlinie.
Terroir, Lagen und Rebsorten
Die Trauben kommen aus unterschiedlichen Zonen Zentralmakedoniens, unter anderem aus Bereichen nahe Goumenissa und dem Paiko-Gebirge. Diese Lagen profitieren von einem kontinental geprägten Klima: sehr warme Sommertage, aber ausreichend kühle Nächte – ein wichtiger Faktor für aromatische Präzision und die Erhaltung der Säure. Die Böden zeigen vorwiegend lehmig-tonige Strukturen, eingelagerten Kalk und Schieferbruchstücke. Das ergibt Weine mit gutem Gerüst, ohne Schwere.
Im Vordergrund stehen bewusst griechische Sorten:
•Assyrtiko für Zug, Linearität und salzige Anmutung
•Roditis für Zitrus, Klarheit und Trinkigkeit
•Xinomavro für Struktur, feines Tannin und Würze
Flankiert werden sie von internationalen Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Merlot und Cabernet Sauvignon, die im Portfolio für Stilvielfalt und internationale Verständlichkeit sorgen. Die Staffelung der Lese – frühreifende Sorten ab Mitte August, Roditis Anfang September, spätreifender Xinomavro Ende September – erlaubt es, jede Sorte in ihrem optimalen Fenster zu ernten und so später im Keller punktgenau zu arbeiten.
Stilistik und Philosophie: Retsina als ernstzunehmende Kategorie
Der wichtigste Punkt: Kechris sieht Retsina nicht als folkloristisches Nebenprodukt, sondern als historisch gewachsenen griechischen Weintyp, der mit sauberer Kellertechnik auf ein höheres Niveau gehoben werden kann. Dazu gehören:
•temperaturkontrollierte Gärung, um Frucht und Primäraromen zu bewahren
•dosierter, nicht dominanter Einsatz von Pinienharz
•Holzausbau dort, wo Struktur und Langlebigkeit profitieren
•Feinhefelagerung, um das Mundgefühl zu verfeinern
Das Ergebnis sind Weine, die zwar eindeutig Retsina sind – also aromatisch unterscheidbar von klassischen mediterranen Weißweinen –, aber nicht mehr die harsche, oxidierte oder bitterharzige Stilistik älterer, einfacher Abfüllungen zeigen. Damit trägt Kechris maßgeblich dazu bei, dass internationale Verkoster Retsina wieder in Verkostungsnotizen aufnehmen, statt ihn als „Sonderfall“ zu ignorieren.
Das Portfolio im Detail
„Tear of the Pine“
•100 % Assyrtiko
•Gärung und Ausbau im Holz, Reife auf der Feinhefe
•sehr präzise integriertes Harz
•hohe Struktur, damit auch gastronomisch gut einsetzbar
Die Auszeichnung bei den Decanter World Wine Awards 2022 (97 Punkte, „Best in Show“)
belegt, dass dieser Retsina nicht als Kuriosität, sondern als Qualitätswein wahrgenommen wird.
„Kechribari“
•trockener Retsina auf Roditis-Basis
•klar, sauber, aromatisch, mit moderatem Harzton
•gedacht als moderner Nachfolger des klassischen Alltags-Retsina – nur technisch sauberer und ausdrucksstärker
„Roza“
•Rosé-Retsina auf Xinomavro
•verbindet rote Frucht und Würze des Xinomavro mit einer fein gesetzten Harznote
•zeigt, dass Retsina auch farblich und stilistisch variierbar ist
„Genesis White“
•Cuvée aus Sauvignon Blanc und Roditis
•deutlich internationaler im Duft, aber mit makedonischem Fundament
•guter Einstieg für Konsumenten, die Griechenland nicht ausschließlich über autochthone Sorten kennenlernen wollen
„Fourth Dimension“ & „Xinomavro Reserve“
•ernsthafte Rotweine mit längerer Maischestandzeit und Holzreife
•wichtig, um zu zeigen, dass das Weingut nicht nur „der Retsina-Betrieb“ ist
•stilistisch eigenständig genug, um auch im gehobenen Fachhandel geführt zu werden
Etwa ein Drittel der Produktion geht in über 30 Länder – ein klares Signal dafür, dass die stilistische Aussage von Kechris auch außerhalb Griechenlands verstanden und nachgefragt wird.
Der Kopf des Weinguts: Stelios Kechris
Stelios Kechris ist die personifizierte Verbindung von akademischer Önologie und praktischer Kellerei. Seine Ausbildung in Dijon erklärt die konsequente Temperaturführung, die sehr saubere Vinifikation und das sensible Holzmanagement. Gleichzeitig besitzt er ein gutes Gespür dafür, dass Retsina nur dann eine Zukunft hat, wenn er nicht wie ein „aromatisierter Wein“ wirkt, sondern wie ein Wein mit bewusst gesetzter, kulturtypischer Note. Diese Balance – analytisch im Keller, klar im Stil, aber ohne Effekthascherei – prägt das gesamte Sortiment.